info@barbara-cada.de    Tel: 089 23144943

Kontaktabbruch in der Familie

Wenn es gemeinsam nicht mehr weiter geht …

Ein schwieriges Thema, das mir in meiner Praxis,  immer wieder begegnet.

Es herrscht Funkstille zwischen Kinder und Eltern. Manchmal ganz plötzlich, manchmal auch nach monatelangen Differenzen für die es keine Lösung gibt.

Es können auch Großeltern, Geschwister und andere Verwandte betroffen sein. 

Die Verlassenen leiden oft enorm und können sich den Verlust nicht erklären.

Kontaktabbrechende quält oft ein schlechtes Gewissen.

Hinter jedem Kontaktabbruch steht aus der Perspektive des Abbrechenden ein Gefühl von Mangel, Unverständnis, nicht gesehen werden oder Respektlosigkeit, verwischte Grenzen  oder fehlende emotionale Stabilität.

Auch ich habe es selbst erlebt bzw. habe gerade einen Kontakt abgebrochen. 

Ich weiß wovon ich spreche.

 

Viele Fragen und keine Antworten

Viele Fragen entstehen in so einer Situation auf die sich einfach keine Antworten finden:

  • Wie gehe ich damit um?
  • Ist Kontaktabbruch die einzige Möglichkeit?
  • Gibt es ein Wiedersehen?
  • Hätte ich es verhindern können?
  • Was heißt das jetzt für die weiteren Betroffenen z.B. Enkelkinder oder Geschwister?
  • Wie gehe ich mit der eigenen Betroffenheit und dem Schmerz um?

Familien - Altlasten

In fast allen Fällen, in denen der Kontakt zu einem Familienmitglied abgebrochen wird, kommt dieser Abbruch nicht von heute auf morgen.

In vielen Fällen liegt der Grund in der Vergangenheit oder im Familiensystem:

  • Schwierige Kindheit, die bis in die Gegenwart weiter geführt wird
  • Unerfüllte Erwartungen und Eifersucht, die irgendwann eskalieren
  • Zerwürfnis bei Erbschaftsstreitigkeiten
  • Jahrelange Probleme und Übergriffe, die sich verschärfen
  • Unverständnis bei Lebensentscheidungen und Werten
  • Neue Partner, die sich nicht im Familiengefüge finden können oder die sogar die Familie ablehnen

Auf der Suche nach einem Schuldigen

Immer wieder wird nach einem Schuldigen gesucht.

Ganz klar, keiner will angreifbar sein.

Aber macht die Suche nach einem Schuldigen überhaupt Sinn? Das, was passiert ist, ist nicht mehr zu ändern. Man kann es nur verstehen und verarbeiten.

Claudia Haarmann, die ein lesenswertes Buch zu diesem Thema geschrieben hat meint: 

Die hohe Kunst jeder Beziehung ist es, die Autonomie des anderen zu respektieren, seine Persönlichkeit  zu erkennen und anzunehmen, ohne ihn dabei zu erdrücken.“

Kennen wir denn die Persönlichkeit des Kindes oder der Eltern oder der Geschwister und wie genau?

Alles ist im Fluss

… wie hat sich der Andere im Laufe der Zeit entwickelt?

… gab es bei unseren Gesprächen genug Akzeptanz für den Anderen?

… gibt es da alte Abhängigkeiten, die ich nicht gesehen habe, die jetzt nicht mehr zeitgemäß sind?

…Wie beendet man eine nicht mehr zeitgemäße Mutter/ – Kind Beziehung? 

In der Natur grenzen Löwen und Bären nach dem Erwachsen werden  ihre Söhne bzw. Kinder aus. Sie vertreiben sie regelrecht.

Nur wir Menschen kleben nach der Kindheit/Pupertät regelrecht von beiden Seiten aneinander.  Jeder will weiter die Sicherheit des anderen, aber selber frei sein. So funktioniert das aber nicht.

Autonomie und Persönlichkeiten entwickeln sich weiter ...

… und zwar bei allen Beteiligten!

Wenn Kinder erwachsen werden können wir als Eltern oft erst erkennen, welche Persönlichkeit in ihnen steckt.

Oft sind es neue Lebensumstände, neue Partner, die Karriere oder die Rolle als Eltern, die sie anders formen und eine Kluft entstehen lassen.

Wir erkennen die Kids dann kaum wieder. 

Mit dieser Veränderung muss auch eine Veränderung der Beziehung zu den Eltern stattfinden.

Aber auch die Kinder müssen einsehen, dass die Eltern sie weiter lieben, aber nicht mehr die Hilfsstation in allen Lebenslagen sind, die man anzapfen kann, wie früher als Kind.

Und Eltern dürfen ihre alte Meinung behalten, die sie im Laufe eines langen Leben gebildet haben. Auch wenn die Kinder jetzt anderes denken.

Oft fehlt hier eine neue respektvolle Möglichkeit der Verständigung auf Augenhöhe.

Deswegen ist ein (zeitweiliger) Kontaktabbruch oder eine deutliche Distanz in vielen Fällen ein sinnvoller Weg, sich selbst klar über die eigene Position und die des anderen zu werden,

  • Wer bin ich inzwischen geworden und was will ich?
  • Wie viel kann und will ich meine Eltern/Kinder an meinem jetzigen Leben teilnehmen lassen? Und unter welchen Voraussetzungen?
  • Verträgt sich mein heutiges Leben überhaupt mit dem der Eltern/Kindern (z.B. Schwiegerkinder oder neue Partner)?
  • Welche Werte sind mir wichtig und passen unsere Werte überhaupt noch zusammen? Können sie nebeneinander bestehen?
  • Wie viel Zeit will ich meinen Eltern/Kinder/Enkel widmen ohne mein eigenes Leben einschränken bzw. aufgeben zu müssen?
  • Wie viel Engagement macht überhaupt Sinn im Leben der anderen oder halte ich eine gegenseitige Abhängigkeit aufrecht?
  • Welche Erwartungen habe ich und sind diese vom anderen überhaupt zu erfüllen?
  • Wo sind die Grenzen der Beteiligten und werden diese akzeptiert?
  • Gibt es einen gegenseitigen respektvollen Umgang?
  • Kann ich akzeptieren, dass meine Meinung nur meine Meinung und nicht eine allgemein gültige Wahrheit oder gar ein Lebensgesetz ist?

Nichts ist für ewig ...

Kontaktabbruch verstehe ich als Wink des Schicksals zu erkennen, dass sich etwas verändern darf.

Es ist ein Zeichen dafür, dass die Grenzen verwischt und nicht zeitgemäße Abhängigkeiten bestehen.  Diese können verändert und neu definiert werden.

Erst wenn jeder seine eigenen Grenzen und die der anderen erkennen und respektieren kann, ist ein ausgeglichenes Miteinander möglich. Dann kann die „Großfamilie“ wieder das sein, was es sein sollte: ein Zusammenschluss von Menschen, die sich lieben, respektieren und in Notzeiten füreinander da sind.

Diese Möglichkeit sollten wir nicht verschenken .

Verzeihen

Zum Schluss meines Artikels möchte ich noch ein Plädoyer für das Verzeihen halten:

Verzeihen heißt nicht entschuldigen was war. 

Verzeihen heißt für mich erkennen, dass etwas in einer Beziehung nicht in Ordnung war, aber es jetzt erkannt, verändert und für mich abgeschlossen ist.

Verzeihen setzt voraus, dass ich Antworten auf die oben stehende Fragen gefunden habe und die Persönlichkeit des Anderen akzeptieren und seine Autonomie wahren kann.

Verzeihen ist Frieden schließen mit mir selbst und anderen.

Buchempfehlungen

Willst du mehr über dieses Thema lesen, dann empfehle ich dir das Buch von Claudia Haarmann:

Kontaktabbruch in Familien

Konflikte sind in Familien keine Ausnahme, doch der totale Bruch kommt für die meisten überraschend. Mehrheitlich sind es erwachsene Kinder, die sich von den Eltern oder auch von der gesamten Familie lösen. Claudia Haarmann beschreibt die Hintergründe und Dynamiken, die zu den schweren Zerwürfnissen in Familien führen und zeigt Möglichkeiten zur Annäherung auf.:

In diesem Buch geht es um die Zeit vor dem Kontaktabbruch, um die überhörten Signale vor der Funkstille, um den emotionalen Sturm vor der Stille, um den 

Kampf, der zwischen den Beteiligten getobt hat, oder um die stillen Konflikte, die schon lange geschwelt haben. Die hilf- und ratlosen Verlassenen suchen verzweifelt nach einem Auslöser, den es nicht gibt, denn der Bruch ist die Folge eines langen Prozesses, der aus vielen kleinen zerstörerischen Momenten besteht. Manche Worte verletzen so sehr, dass sie einen Sturm entfachen, der nicht mehr zu bändigen ist – außer mit Stille. Tina Soliman erzählt und analysiert einfühlsam die Leidensgeschichten der Abbrecher, denn diese haben leidenschaftlich, kämpferisch, tief verletzt und gar nicht so »kalt«, wie die Verlassenen immer wieder behauptet haben, inständig darum gebeten, ihre Sichtweise des Kontaktabbruchs näher zu beleuchten.

Narzissten-Test

Dieser Test ist kein wissenschaftlicher Test, sondern ein Praxisstest mit Aussagen und Erfahrungen aus dem Leben von Klienten und Betroffenen.

Er gibt dir nur eine erste Einschätzung, ob eventuell eine narzisstische Störung vorliegen kann.

Bitte bedenke, dass Narzissmus viele Gesichter und ein großes Spektrum hat. Es reicht  von 

 gesundem Narzissmus bis hin zur schweren narzisstischen Störung.

Dieser Test ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnose und soll dir nur als Richtschnur dienen, um deine Situation besser einschätzen und verstehen zu können.

Eine wirkliche Diagnose kann nur  ein erfahrener Therapeut oder Coach stellen.

Hat Dir der Artikel gefallen? Dann schreib Dich in meine Email- Liste ein. Ich gebe Dir dann Bescheid, wenn ein neuer Artikel erscheint!

(Deine Daten sind bei mir sicher. Versprochen!
Ich gebe sie nicht an Dritte weiter und schicke auch keine ungewollte Werbung.
Datenschutz ist Ehrensache für mich.)

* indicates required

Posted on 28. August 2019 by prenzeline.